Artikel Gemeindebrief Juni/Juli 2020

Mangi santa yalla

Ein Reisebericht aus dem Senegal

Es ist heiß. Sehr heiß. Das Thermometer zeigt 24°C und es ist kurz nach 21:00 Uhr als wir von unserem Besuch bei Yacouba wieder ins Gemeindezentrum der Yoonu Njub Gemeinde fahren. Wir frösteln ein wenig. Schnell haben wir uns an das Klima gewöhnt. Tagsüber klettert die Säule zum Teil auf über 40°C. Die Straßen sind staubig und alles ist voller Sand.

Das Leben der Menschen im Senegal ist nicht einfach. Und dennoch finden wir überall fröhliche, freundliche Menschen, die uns herzlich willkommen heißen und das wenige, was sie besitzen von Herzen gern mit uns Teilen.

Yacouba arbeitet in einem Krankenhaus und ist Ältester der christlichen Gemeinde von Pikine in Saint Louis. Seine Frau hat ein leckeres Essen für uns gekocht und so sitzen wir vor seinem Haus und tauschen Gedanken und Geschenke. Besonders freut man sich über die Socken, die die Damen der Silixer Wollwerkstatt gefertigt haben.

Etwa 50 Christen gehören zur Yoonu Njub Gemeinde. Pastor Malick Fall, seine Frau Feluine und die Mitarbeitenden haben mit Gottes Hilfe und seinem Segen Erstaunliches auf den Weg gebracht. Zwei Beispiele:

Im Gemeindezentrum gibt es nicht nur eine Schule für Mädchen, hier treffen sich auch Frauen und Männer zu Diabetikerkursen. Philomene und Caro beraten die Patienten und geben Medikamente aus. Diabetes ist ein großes Problem. In den Kursen lernen die Teilnehmer, wie man mit der Erkrankung umgeht und wie man den Wert richtig bestimmt. Unsere Reisegruppe hilft bei der Einweisung. Werte unter 300 mg/dl sind selten. Oft liegen sie weit darüber. Die Damen aus dem letzten Kurs sind extra gekommen, um sich zu bedanken. Sie wissen jetzt: Mit den Messgeräten aus Deutschland verändern und retten sie ihr Leben.

Senegal ist ein Land, in dem zu 90 – 95% Muslime leben. Jeden Morgen um 5:00 Uhr weckt uns der Ruf des Muezzins. Sie gehören Bruderschaften an, die von geistlichen Leitern, sog. Marabouts, bestimmt werden. Schon im Alter von zwei oder drei Jahren schicken die Familien ihre Kinder in die Koranschulen. Die Älteren passen auf die Jüngeren auf. Sie sind sich meist selbst überlassen.

Doch die Kinder lernen in den „Schulen“ nur wenig. Zumeist betteln sie auf den Straßen. Die Erträge geben sie an den Marabout ab, der einen großen Teil zur zentralen Moschee in der heiligen Stadt Touba schickt. Der größten im westlichen Afrika.

Christen und Muslime leben friedlich miteinander. So kommen die Koranschüler, die Talibe, donnerstags ins Gemeindezentrum. Sie dürfen Duschen, werden medizinisch grundversorgt und bekommen ein Essen. Das Wichtigste aber: Sie dürfen Kind sein. Basketball, Fußball, Malen oder einfach ausruhen stehen an oberster Stelle. Wir spielen mit den Talibe. Sie lachen mit uns und suchen unsere Nähe. Fotos sind heiß begehrt. Man sieht ihnen deutlich an, wie sie sich freuen, den Alltag für ein paar Stunden hinter sich lassen zu können. Zum Schluss erzählen Laura, Joely und Kayle, Missionare aus Panama und den USA, noch die Geschichte von David, Jonathan und König Saul. Echte Freundschaften, füreinander einstehen, Vertrauen sind selten in der Welt der Straßenkinder.

Nach zwei Wochen voller beeindruckender Begegnungen mit Gemeindemitgliedern, Missionaren und den Talibe-Kindern, mit Eindrücken vom Alltag der Menschen und ihren äußerst einfachen Lebensbedingungen, mit Bildern von einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt aber auch dürren, staubigen Halbwüsten kehren wir zurück.

Was uns am meisten beeindruckt hat, ist das fröhliche Lächeln und die Offenheit der Menschen. Ihre Gastfreundschaft und ihr Vertrauen auf Gott, der hier durch die Yoonu Njub Gemeinde und ihre Mitarbeiter so segensreich wirkt.

Als unser Flugzeug trotz Coronakrise pünktlich in Hamburg landet, können wir mit unseren neuen senegalesischen Freunden, Schwestern und Brüdern einstimmen: Mangi santa Yalla – Ich danke Gott!

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