Yoonu Njub Gemeinde St. Louis, Senegal
Gelebte Nächstenliebe
Ein Reisebericht von Alissa Winter aus dem Jahr 2026
Unser Besuch im Senegal
Auch in diesem Jahr ist eine Gruppe von sechs Personen aus unserer Gemeinde sowie aus der Gemeinde in Neumünster vom 31.01. bis zum 14.02.2026 in den Senegal geflogen, um unsere Partnergemeinde, die Yoonu Njub zu besuchen.
Die Reise stand ganz im Zeichen der Begegnung und des gemeinsamen Glaubens.
Ankunft & erste Eindrücke
Am 31.01. tauschten wir also Schnee gegen Sonne und Sand.
Als wir in Dakar ankamen, war die Wiedersehensfreude groß. Gemeinsam mit Pastor Malick Fall und seiner Frau Felluine sowie Samba, einem Kirchenältesten der Gemeinde, fuhren wir mit einem vollgepackten Dach in den nahe gelegenen Ort Somone.
Der sehr touristisch geprägte Ort bot neben einer fantastischen Unterkunft inklusive Pool vor allem eines: den Atlantik in unmittelbarer Fußnähe.
Der Weg dorthin führte uns durch ein ausgetrocknetes Flussbett, wo uns sogleich eine Herde Rinder begegnete. Die Tiere bewegen sich hier im Land überwiegend frei. Vor allem Ziegen und Rinder sind überall zu sehen und überqueren ganz selbstverständlich Straßen und Wege.
Am nächsten Morgen verließen wir Somone, um weiter nach Saint-Louis zu unserer Partnergemeinde Yoonu Njub zu fahren. Wie vielleicht noch aus meinem letzten Bericht in Erinnerung, besteht die Yoonu Njub im Wesentlichen aus zwei Zentren: dem „Mädchen-Center“, das der Schulbildung von Mädchen, der Betreuung von Diabetes-Patienten sowie den sonntäglichen Gottesdiensten gewidmet ist, und – nur wenige Minuten entfernt – dem „Jungen-Center“. Dort findet vor allem die Versorgung der Talibés (Straßenkinder) sowie die Ausbildung von Mechanikern statt. Genau hier findet man uns Deutsche einmal im Jahr für zwei Wochen.
Das große Wiedersehen mit all jenen, die uns im Laufe der Jahre auch schon einmal in Deutschland besucht hatten, folgte am Abend. Anlässlich der inzwischen 15-jährigen Partnerschaft zwischen Neumünster und Saint-Louis war es ein Abend voller Erinnerungen und Anekdoten.
Besonders berührt hat mich jedoch ein paar Tage später eine Aussage von Elisabeth, der Schwiegertochter des Pastors und Verantwortlichen für das Talibé-Projekt. Wir sprachen über unsere Kulturen und über Vorurteile. Dabei sagte sie, dass viele Partnerschaften kommen und gehen, diese Partnerschaft mit uns jedoch eine echte Verbundenheit und Freundschaft sei.
Ja, wir Silixer sind erst seit Kurzem Teil dieser Gemeinschaft, doch das schmälert unsere Begegnungen in keiner Weise.
In den folgenden Tagen merkte ich bei jeder Begegnung mehr, dass genau das tatsächlich stimmt.
Begegnungen und besondere Erlebnisse
Zu den Highlights gehörte nicht nur ein riesiger Stoffladen, in dem wir Mädels innerhalb von nur einer Stunde den perfekten Stoff für unsere Kleider fanden, sondern auch eine Bootstour auf dem Senegal-Fluss. Vorbei an dutzenden Fischerbooten fuhren wir bis hinauf zur mauretanischen Grenze. Schließlich legten wir an einer kleinen Insel an. Als wir mit unserem Boot den Strand erreichten, kamen uns bereits einige Kinder entgegen und begrüßten uns herzlich. Sie leben mit ihren Familien auf dieser Insel und müssen alles, was sie zum Leben brauchen, entweder selbst anbauen oder mit dem Boot vom Festland holen – selbst das Trinkwasser. Strom gibt es hier nicht. Die Kinder werden in einem kleinen Klassenraum unterrichtet. Einige der Älteren fahren täglich mit dem Boot zum Festland, um dort zur Schule gehen zu können.
Die Projekte der Gemeinde
Neben all den schönen Begegnungen wollten wir natürlich auch die Projekte der Yoonu-Njub-Gemeinde besuchen.
Da ist zum einen das Diabetiker-Projekt. Auch in diesem Jahr brachten wir wieder große Mengen an Teststreifen, Messgeräten und Medikamenten mit. So konnten wir die kleine „Apotheke“ der Gemeinde erneut gut auffüllen. Neben der Apotheke befindet sich ein kleines Sprechzimmer, in dem Philomen als Krankenschwester hervorragende Arbeit leistet.
Philomen betreut inzwischen drei Jahrgänge von Diabetes-Patienten. Doch auch nach Ablauf dieser drei Jahren endet die Versorgung nicht. Wer einmal Teil des Programms war, kann weiterhin Teststreifen zu einem kleinen Preis in der Apotheke erhalten.
Wie in jedem Jahr durften wir auch diesmal den neuen Jahrgang der Diabetes-Patienten begrüßen.
Aktuell wartet die Gemeinde auf ein Messgerät zur Bestimmung des Langzeitblutzuckers (HbA1c-Wert).
Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Mädchenschule. Hier lernen die Schülerinnen vor allem Nähen und Kochen. Für den Besuch der Schule müssen die Eltern eine Gebühr bezahlen. Können Familien diese nicht aufbringen, werden sogenannte Stipendien vergeben. Grundsätzlich geht es darum, den Mädchen praktisches Handwerkszeug für sämtliche Umstände mitzugeben. Einige Orte haben keinen oder nur bedingt Strom, dann ist die Wasserversorgung knapp und damit auch die Ernten der Bauern.
In der Nähklasse arbeiten die Schülerinnen im ersten Jahr daher ausschließlich mit Nadel und Faden oder mit manuellen Nähmaschinen. Erst später kommen elektrische Maschinen zum Einsatz. So können die Mädchen auch unabhängig von einer Stromversorgung arbeiten. Ähnlich ist es in der Kochklasse. Lebensmittel sind in der Regenzeit besonders teuer. Deshalb gehört auch das Trocknen verschiedener Getreidesorten zum Unterricht.
Diese Schule ist in vielerlei Hinsicht besonders: Die Schülerinnen und Lehrkräfte sind überwiegend muslimisch, trotz allem pflegt die Yoonu-Njub-Gemeinde als christliche Gemeinde auch Bibelstunden und Gebete. Ein besonderes Angebot ist außerdem die hauseigene Tagesmutter – für Lehrkräfte mit kleinen Kindern oder auch für Schülerinnen mit Nachwuchs. Ohne diese Unterstützung müssten viele von ihnen ihre Ausbildung abbrechen.
Im Studentenheim der Gemeinde leben derzeit insgesamt sechs Studenten. Die Anlage befindet sich im nahegelegenen Mbarigo. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde das Gelände erweitert. Es besteht nun aus drei Gebäuden: einem Mädchenhaus, einem Jungenhaus sowie einem neuen Gebäude mit Gemeinschaftsküche und einer Wohnung für einen Mitarbeiter der Gemeinde.
Noé lebt derzeit mit seiner kleinen Familie dort und betreut die Studenten. Gemeinsam mit seiner Frau kümmert er sich um das Gemeinschaftsleben: gemeinsames Essen, Bibellesen und Gebete gehören ebenso dazu wie praktische Unterstützung. Außerdem bietet Noé Fahrdienste zu den Universitäten an.
Interessant war für uns auch zu hören, dass Studenten im Senegal vom Staat finanziell unterstützt werden. Anders als in Deutschland richtet sich diese Unterstützung jedoch nach der Leistung. Wer gute Ergebnisse erzielt oder sich stark verbessert, erhält entsprechend mehr Geld. Allerdings kommt es regelmäßig zu Problemen bei der Auszahlung. Teilweise erhalten Studenten ihr Geld verspätet oder gar nicht. Aus Protest gehen sie immer wieder auf die Straße. Dabei kommt es nicht selten zu schweren Ausschreitungen – Autoreifen werden angezündet, Steine geworfen. Nicht selten auch ein Todesopfer.
Bei den Talibés verbrachten wir dagegen eine besonders schöne Zeit. Zweimal pro Woche kommen die Straßenkinder in die Einrichtung – einmal zum Frühstück, einmal zum Mittagessen. Außerdem können sie dort spielen, duschen, ihre Kleidung waschen oder medizinische Versorgung erhalten.
Natürlich packten wir tatkräftig mit an. Während auf dem Fußballplatz auf dem Dach die „Weltmeisterschaft“ ausgetragen wurde, wurde unten am Kicker gespielt oder Gesellschaftsspiele ausprobiert. Anschließend schauten alle gemeinsam einen biblischen Film.
Last but not least das Schulprojekt. Täglich besuchten wir mehrere Familien – meist solche mit Patenkindern aus dem Schulprojekt.
Dieses Projekt ist das einzige, das ausschließlich christlichen Kindern zugutekommt. Insgesamt ermöglichen Neumünster und Silixen derzeit 15 Kindern eine Schulbildung.Wir konnten fast alle besuchen.
An dieser Stelle möchten wir auch unsere Silixer Patenkinder vorstellen: Josias und Amath.
Amath kommt aus einer sehr großen Familie, die bereits fest in der Yoonu-Njub-Gemeinde integriert ist.
Josias besucht gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder die Vorschule. Seine Familie lebt in Richard Toll.
Alle Kinder zeigten uns stolz ihre Schulbücher und überreichten uns gemalte Bilder oder Briefe für ihre Paten. Wir sprachen über Hobbys und Lieblingsfächer aber auch über herausfordernde Schulwege.
In jedem Fall war ihre Dankbarkeit deutlich spürbar. Deshalb möchten wir an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an alle kleinen und großen Unterstützer unserer Silixer Schulkinder senden!
Rückblick
Wir feierten gemeinsam Gottesdienst – und „feiern“ ist hier wirklich das richtige Wort. In einem Mädchen-Gymnasium sangen wir in einer Deutschklasse ein Begrüßungslied und an vielen anderen Stellen konnten wir mit Bonbons und Malbüchern viele Kinderaugen zum Leuchten bringen. Wir erlebten ein Konzert unter Sternen und eine Nacht in der Wüste mit freiliegenden Badezimmer.
Am Ende hatten wir all unsere Mitbringsel verteilt – und kehrten schließlich selbst mit Koffern voller Erinnerungen und Geschenke nach Hause zurück.
Ein Reisebericht von Alissa Winter aus dem Jahr 2025
Unser Besuch in der Yoonu Njub Gemeinde in St. Louis, Senegal
Der hiesige Besuch der Senegalesen in unserer Gemeinde, u. a. in unserer KiTa und unserer Schule, hinterließ bleibende Eindrücke bei vielen von uns.
Es war schnell klar: Wir wollen seitens der Kirchengemeinde Silixen dieses Band weiter vertiefen.
Aber wie sollen wir wissen, wo wir ansetzen können, ohne überhaupt zu wissen, WER die Yoonu Njub Gemeinde ist und WAS die Arbeit für die umliegende Bevölkerung bedeutet?
Schnell stand also fest: Beschreibungen und Fotos sind nicht genug, wir wollen die Leute vor Ort kennenlernen, wir wollen Verbindungen schaffen und nicht nur finanzielle Mittel leisten.
Liebe Leserinnen und Leser, was soll ich sagen: Vom 29.03. bis zum 14.04.2025 waren wir bei Freunden zu Besuch.
Zusammen mit Pastor Hübscher und einem Kirchenvorstandsmitglied aus Neumünster flogen drei von uns in den Senegal: Rolf und Andrea Sandmann und ich, Alissa Winter (alias Afrika-Neuling).
Erste Eindrücke
Mit den Füßen auf sandigem Boden, das Gesicht in die Sonne gerichtet, standen wir gegen Mittag auf dem Flughafen in Thies.
Der Weg nach Saint Louis zeigte bereits eine Mischung aus dem, was mich die nächsten Tage erwartete: Menschen, die genau wissen, was Leben bedeutet. Wo die Kleinsten bereits sicher mit den Esel-Wagen fuhren, Frauen und Kinder ihre Waren an der Straße verkauften und diese auch bei jeder Möglichkeit an der Fensterscheibe unseres Busses anpriesen. Hier spielt das Leben auf der Straße, so viel war sicher!
Saint Louis – Übersicht
Das Jungen-Center, in dem wir untergebracht waren, ist Location für die Versorgung der Talibés und Ausbildungsstätte der Mechatroniker.
Etwa 10 Minuten mit dem Auto ist das Mädchen-Center entfernt. Dort finden der Unterricht der Mädchen, das Hilfsangebot für die Diabetiker und der gemeinsame Gottesdienst der Gemeinde statt.
Am Rande von Saint Louis hat die Gemeinde nun ein weiteres Grundstück zur Bewirtschaftung erworben. Hier entsteht also bald die erste Einnahmequelle der Yoonu Njub Gemeinde.
Das Talibé-Projekt
Viele Eltern können es sich schlichtweg nicht leisten, (alle) ihre Kinder zu einer Schule zu schicken, zumal Schulen nicht unbedingt in Reichweite sind. Es fallen also auch für Schulkinder öffentlicher Schulen Kosten für Fahrtwege, Essen und auch Schuluniformen an.
Die Marabouts sind im Islam Heilige und genießen daher besondere Aufmerksamkeit. Plakate, Bilder, Graffiti – selbst in den Bäumen sind ihre mystischen Gesichter eingeritzt. Logisch also, dass es für viele Eltern absolut Sinn ergibt, ihr Kind auf die sogenannte Koranschule zu schicken. Marabouts lehren den islamischen Glauben – oder besser den Koran auswendig. Lesen und Schreiben werden dabei aber nicht zwingend vermittelt. Hier kommen wir auch schnell zum Knackpunkt. Immerhin ist kostenlos nicht umsonst. Die Bedingungen der Talibés (Koran-Schüler) sind hart und gehen an die äußersten Grenzen, und vor allem auch an meine eigenen.
Kinder ab ca. 4 Jahren müssen für den Marabout u. a. betteln gehen. Sie versuchen, sich über den Tag zu bringen und am Ende wenigstens ein wenig Geld in ihrem kleinen Eimer gesammelt zu haben.
Die Yoonu Njub Gemeinde bietet für die Talibés dreimal in der Woche eine Mahlzeit, Möglichkeiten, ihre Wäsche zu waschen, zu duschen und eine medizinische Versorgung.
Hier können sie Kind sein – spielen, malen, lachen und Geborgenheit erfahren.
Vor dem Mittagessen wird eine biblische Geschichte erzählt. Es wird berichtet über einen Gott, der unser aller Gott ist, der jeden Einzelnen liebt.
Diese Kinder wissen schon sehr früh, was (über‑)leben bedeutet, und vermitteln Stärke, doch wenn es um Lutscher geht, sind alle im absoluten Ausnahmezustand.
Ausbildungsstätte für Mechatroniker
Nahezu klein, aber keinesfalls weniger bedeutsam kommt die Ausbildung zum Mechatroniker daher. In einer kleinen Werkstatt im Center wird den Auszubildenden entsprechendes Wissen vermittelt. Zudem wird die elektronische Auswertung von Fehlermeldungen beigebracht.
Tatsächlich ist derartige Ausbildung Gold wert. Während ich selbst auf den Straßen gern mal das dritte Stoßgebet innerhalb weniger Sekunden in den Himmel geschickt habe, fuhren Pferde- oder Esel-Wagen, Roller, Autos, Busse und was sonst noch einen Reifen hat, irgendwie auf einer ca. 4 Meter breiten Straße nebeneinander her.
Der Taxifahrer begrüßt dabei fünf Leute und fragt nach deren Tag und Familie. Zudem die Straßenverhältnisse. Sand ist allgegenwärtig. Gullis gucken etwa einen halben Meter raus, überall liegen dicke Steine und es sind riesige Löcher zu erwarten. Ein Auto ist erst dann kaputt, wenn die Hupe versagt. Nun scheint eine Mechatroniker-Ausbildung doch ein Geschenk zu sein, richtig?!
Mädchen-Center
Hier werden den Mädchen hauptsächlich Nähen und Kochen beigebracht. Es wird gezeigt, wie man Getreide trocknet und somit haltbar macht, damit in der Nebensaison nicht auf teurere Produkte zurückgegriffen werden muss.
Hilfsangebot für Diabetiker
Jedes Jahr entscheiden sich Männer und Frauen, etwas für ihre Gesundheit zu tun und den Diabetes in den Griff zu bekommen. In der dreijährigen Ausbildung erfahren sie, wie man misst und wie eine gesunde Ernährung funktioniert. Als Apotheker organisiert Rolf Sandmann bereits seit vielen Jahren die Messgeräte und Teststreifen für diese Schüler. Jährlich nehmen ca. 50 Personen an dem Kurs teil und die Kosten für jeden betragen etwa 70–80 Euro im Jahr. Ein Vermögen!
Wir durften bei der Kurseinführung und auch bei der Verabschiedung teilnehmen.
Vorfreude, aber doch noch etwas verhaltenes Auftreten am Anfang und schließlich die Wissenden mit tiefer Dankbarkeit um die Chance und die neue Lebensfreude.
In diesem Zusammenhang ließ uns auch eine nahegelegene Klinik Einblicke gewähren. Hier beginnt die Digitalisierung.
Um unser Angebot für die Diabetiker auf dieses Level anzuheben, werden wir zukünftig auch durch neue Tests zur Ermittlung des HbA1c, des Langzeitwertes, eine bessere Kontrolle der Krankheit ermöglichen.
Unsere Kirchengemeinde Silixen wird sich hier schwerpunktmäßig mit einsetzen.
Typisches Essen mit grenzenloser Gastfreundschaft und Dankbarkeit
Auf unserer Reise besuchten wir fast täglich Familien. In den meisten Fällen wurden wir mit einem wunderbaren Essen versorgt und es gab immer einen typischen Tee (Ataya) dazu.
Das Essen wird in einer riesigen Bowl auf dem Boden serviert. Um jeden Bowl sitzen vier bis fünf Menschen herum und essen mit den Händen oder ggfs. auch mal mit dem Löffel.
Grundzutat ist meistens Reis, gern auch mal Couscous oder kleine Nudeln. Mittig liegt entweder Lamm, Hühnchen oder Fisch, dazu diverses an Gemüse.
Hier habe ich definitiv viel bewusster gegessen. Lag natürlich unweigerlich daran, dass man auf den Nächsten achtet. Immerhin sitzt man mit fünf erwachsenen Menschen im halbwegs bequemen Sitz um eine Schale herum und jeder hat Hunger.
Mir ist bewusst, dass eben genau für uns Gäste mehr in die Bowl gepackt wurde. Meist hatten wir Deutschen eine eigene Schale und die Familie aß separat.
Genau dieses Privileg war mir oft zu viel des Guten. Ich wollte in diesem Land keine Privilegien haben, ich wollte mittendrin sein.
Und das waren wir auch. Ich kannte diese Menschen nicht und sie zeigten mir dennoch ihr Leben und ihre Liebe zum Leben. Wir tauschten Gedanken, Grundsätze und Verhaltensmuster der Kulturen aus.
Alle drückten ihre tiefe Dankbarkeit für die Kooperation zwischen den Gemeinden aus. Immerhin gibt es in den meisten Familien auch ein Kind, das genau durch diese Partnerschaft eine private Schule besuchen darf. Entsprechende Kinder zeigten uns stolz ihre Schulhefte oder Schreibtafeln, auf denen sie das Gelernte demonstrieren wollten.
Gottesdienst
Im oberen Geschoss des Mädchen-Centers finden die Gottesdienste statt. Christen kommen von weit her, um Pastor Malicks oder anderen Predigern zuzuhören. Jugendliche gestalten mit Herzblut und viel Musik den Gottesdienst, wohlgemerkt in einem Land, das durch seinen Ursprungsglauben gar keine Musik oder Gesang in den Moscheen bietet.
Immer wieder finden neue Leute den Weg zur Yoonu Njub Gemeinde.
Kein Wunder, oder? In einem Land, in dem Christen einen Bruchteil ausmachen und sich zunächst ihren (gesellschaftlichen) Weg schwer erarbeiten mussten, finden heutzutage weitreichende Angebote für Christen, aber auch für Moslems statt.
Die Gemeinde verkündet nicht nur Gottes Wort, sie lebt dieses mit jeder Faser ihres Seins.
Wir sind alle Schwestern und Brüder – keine Unterschiede! Was Gott uns gegeben hat, teilen wir auf!
In unserer Gesellschaft, die mehr und mehr nach Macht und Prestige strebt, nach Äußerlichkeiten geht und meint, sie wäre allem überlegen, ist dieses Land mit dieser Gemeinde ein wahrer Segen.
Ein Reisebericht der Familie Hübscher aus dem Jahr 2020
Mangi santa yalla
Es ist heiß. Sehr heiß. Das Thermometer zeigt 24°C und es ist kurz nach 21:00 Uhr als wir von unserem Besuch bei Yacouba wieder ins Gemeindezentrum der Yoonu Njub Gemeinde fahren. Wir frösteln ein wenig. Schnell haben wir uns an das Klima gewöhnt. Tagsüber klettert die Säule zum Teil auf über 40°C. Die Straßen sind staubig und alles ist voller Sand.
Das Leben der Menschen im Senegal ist nicht einfach. Und dennoch finden wir überall fröhliche, freundliche Menschen, die uns herzlich willkommen heißen und das wenige, was sie besitzen von Herzen gern mit uns Teilen.
Yacouba arbeitet in einem Krankenhaus und ist Ältester der christlichen Gemeinde von Pikine in Saint Louis. Seine Frau hat ein leckeres Essen für uns gekocht und so sitzen wir vor seinem Haus und tauschen Gedanken und Geschenke. Besonders freut man sich über die Socken, die die Damen der Silixer Wollwerkstatt gefertigt haben.
Etwa 50 Christen gehören zur Yoonu Njub Gemeinde. Pastor Malick Fall, seine Frau Feluine und die Mitarbeitenden haben mit Gottes Hilfe und seinem Segen Erstaunliches auf den Weg gebracht. Zwei Beispiele:
Im Gemeindezentrum gibt es nicht nur eine Schule für Mädchen, hier treffen sich auch Frauen und Männer zu Diabetikerkursen. Philomene und Caro beraten die Patienten und geben Medikamente aus. Diabetes ist ein großes Problem. In den Kursen lernen die Teilnehmer, wie man mit der Erkrankung umgeht und wie man den Wert richtig bestimmt. Unsere Reisegruppe hilft bei der Einweisung. Werte unter 300 mg/dl sind selten. Oft liegen sie weit darüber. Die Damen aus dem letzten Kurs sind extra gekommen, um sich zu bedanken. Sie wissen jetzt: Mit den Messgeräten aus Deutschland verändern und retten sie ihr Leben.
Senegal ist ein Land, in dem zu 90 – 95% Muslime leben. Jeden Morgen um 5:00 Uhr weckt uns der Ruf des Muezzins. Sie gehören Bruderschaften an, die von geistlichen Leitern, sog. Marabouts, bestimmt werden. Schon im Alter von zwei oder drei Jahren schicken die Familien ihre Kinder in die Koranschulen. Die Älteren passen auf die Jüngeren auf. Sie sind sich meist selbst überlassen.
Doch die Kinder lernen in den „Schulen“ nur wenig. Zumeist betteln sie auf den Straßen. Die Erträge geben sie an den Marabout ab, der einen großen Teil zur zentralen Moschee in der heiligen Stadt Touba schickt. Der größten im westlichen Afrika.
Christen und Muslime leben friedlich miteinander. So kommen die Koranschüler, die Talibe, donnerstags ins Gemeindezentrum. Sie dürfen Duschen, werden medizinisch grundversorgt und bekommen ein Essen. Das Wichtigste aber: Sie dürfen Kind sein. Basketball, Fußball, Malen oder einfach ausruhen stehen an oberster Stelle. Wir spielen mit den Talibe. Sie lachen mit uns und suchen unsere Nähe. Fotos sind heiß begehrt. Man sieht ihnen deutlich an, wie sie sich freuen, den Alltag für ein paar Stunden hinter sich lassen zu können. Zum Schluss erzählen Laura, Joely und Kayle, Missionare aus Panama und den USA, noch die Geschichte von David, Jonathan und König Saul. Echte Freundschaften, füreinander einstehen, Vertrauen sind selten in der Welt der Straßenkinder.
Nach zwei Wochen voller beeindruckender Begegnungen mit Gemeindemitgliedern, Missionaren und den Talibe-Kindern, mit Eindrücken vom Alltag der Menschen und ihren äußerst einfachen Lebensbedingungen, mit Bildern von einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt aber auch dürren, staubigen Halbwüsten kehren wir zurück.
Was uns am meisten beeindruckt hat, ist das fröhliche Lächeln und die Offenheit der Menschen. Ihre Gastfreundschaft und ihr Vertrauen auf Gott, der hier durch die Yoonu Njub Gemeinde und ihre Mitarbeiter so segensreich wirkt.
Als unser Flugzeug trotz Coronakrise pünktlich in Hamburg landet, können wir mit unseren neuen senegalesischen Freunden, Schwestern und Brüdern einstimmen: Mangi santa Yalla – Ich danke Gott!

















